Ausstellung

Der Vorhang öffnet sich wieder!

Unsere Ausstellung zu dem Märchen vom "Gestiefelten Kater" im Dorfmuseum Oedelsheim an der Weser konnte im letzten Jahr coronabedingt nur kurze Zeit für das Publikum geöffnet werden. Jetzt geht es weiter, und wir hoffen, daß wir mit unseren Exponaten auch etwas gegen die Pandemie tun können! Gleichzeitig haben wir am Brüder Grimm-Platz in Kassel zahlreiche weitere Dokumente und Kunstwerke zum "Gestiefelten Kater" zusammengetragen, die wir hinkünftig bei weiteren Ausstellungen, Vorträgen und (wenn die Finanzen das zulassen) auch in einer kleinen Publikation vorstellen werden.

Europawoche 2021

Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm
Märchensammlung, Sprachforschung, Politik
Von Hessen nach Deutschland und von Deutschland nach Europa

Ausstellung und Vortragsreihe

Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm gehören zu den bedeutendsten Geistespersönlichkeiten der europäischen Kulturgeschichte und haben mit ihren „Kinder- und Hausmärchen“ Weltruhm erlangt. Geboren in der landgräflich-hessischen Nebenresidenz Hanau und aufgewachsen in dem kleinen Landstädtchen Steinau an der Straße, haben sie nach dem Studium in Marburg die „arbeitsamste und fruchtbarste Zeit“ ihres Lebens in Kassel verbracht. In Göttingen arbeiteten sie später als Professoren und Bibliothekare, bevor sie nach Berlin an die Königliche Akademie der Wissenschaften gingen, wo sie noch zwei Jahrzehnte bis zu ihrem Tode wirkten. Ihr Lebensweg von Hanau über die Residenz Kassel der Landgrafschaft bzw. des späteren Kurfürstentums Hessen bis in die preußische und nachmalige deutsche Hauptstadt Berlin markiert ebenso wie ihr monumentales in viele Bereiche ausgreifendes Wirken den Aufstieg vom „Kleinen und Unbedeutenden“ zu großen und weitgefaßten Wissenszusammenhängen. In aller Welt bekannt wurden Jacob und Wilhelm Grimm mit ihren 1812 und 1815 erstmals erschienenen Märchen, die bis heute in über 180 Sprachen und Kulturdialekte übersetzt wurden und, meist von Illustrationen begleitet, in millionenfacher Auflage verbreitet wurden. Neben der Luther-Bibel stellt die Grimmsche Märchensammlung das bekannteste und berühmteste deutsche Buch dar.

Methodisch dachten die Brüder Grimm aber nie in den engen Grenzen ihres eigenen Landes, sondern sie haben immer auch den inneren Zusammenhang und die vielfältigen gegenseitigen Einflüsse anderer europäischer Länder und Regionen in den Blick genommen. Sie gehören zu den Gelehrten in Deutschland, die schon im 19. Jahrhundert europäisch gedacht und gehandelt haben. Das zeigt auch ihr politisches Wirken, das beseelt war von einer klaren historischen und völkerverbindenden Konzeption.

In Kassel, der Stadt ihres längsten Wirkens, pflegt die Brüder Grimm-Gesellschaft seit 1897 (mit einigen zeitbedingten Unterbrechungen) das Erbe von Jacob und Wilhelm Grimm und präsentiert in ihrem Brüder Grimm-Zentrum am Brüder Grimm-Platz – direkt gegenüber der nördlichen Torwache, in der die Geschwister Grimm von 1814 bis 1822 wohnten – das Leben und Wirken der Märchensammler und Sprachforscher im Kontext ihrer Zeit.

„Es war vielleicht gerade Zeit, diese Märchen festzuhalten, da diejenigen, die sie bewahren sollen, immer seltner werden …“, – heißt es 1812 in der Vorrede zu den Märchen der Brüder Grimm. Über zweihundert Texte haben Jacob und Wilhelm Grimm schließlich zusammengetragen, wobei sie – vornehmlich in und von Kassel aus – sowohl aus mündlicher Überlieferung als auch aus schriftlichen Quellen geschöpft haben. Während Erinnerungen und Erlebnisse aus der eigenen Kindheit für die Grimmschen Märchen- und Sagensammlungen überlieferungsgeschichtlich kaum eine Rolle spielten, kam der entscheidende Anstoß zur Beschäftigung mit der „Volkspoesie“ in ihrer Marburger Studienzeit. Hier lernten Jacob und Wilhelm Grimm bei ihrem Lehrer, dem Rechtshistoriker Friedrich Carl v. Savigny, dessen Schwager Clemens Brentano kennen, der sie mit den Bestrebungen der Heidelberger Romantik vertraut machte.

Die Brüder Grimm sind aber nicht sagen- und märchensammelnd über Land gezogen. Auch ist der Anteil der „einfachen Leute“ an ihren Märchen und Sagen eher gering. Vielmehr wurden sie von über fünfzig Märchenbeiträgerinnen und Märchenbeiträgern vor allem aus Hessen und Westfalen unterstützt, die, wie sie selbst, vornehmlich aus den gebildeteren und wohlhabenden Schichten der Gesellschaft stammten und zumeist auch jüngeren Alters waren. So erfuhren sie zahlreiche Märchen aus den Kasseler Bürgerfamilien Wild und Hassenpflug. Aus der Schwalm kamen ihnen wichtige Texte durch die Pfarrerstochter Friederike Mannel und den Pfarrkandidaten Ferdinand Siebert zu. Aus Westfalen erhielten sie bedeutende Beiträge durch die Familie der Freiherren v. Haxthausen und durch die Schwestern Annette und Jenny v. Droste-Hülshoff. Nur die Gastwirtstochter und Schneidersfrau Dorothea Viehmann aus dem bei Kassel gelegenen Dorf „Zwehrn“ kam ihrer romantischen Vorstellung einer „Märchenfrau“ aus dem Volke nahe.

Überdies haben die Brüder Grimm (und teilweise auch wohl ihre Informanten) aus schriftlichen Quellen geschöpft, aus mittelalterlichen Versnovellen und Legenden, aus Schwank- und Anekdotenbüchern, aus Tierfabelsammlungen und Wunderzeichenbüchern und auch aus literarischen Werken des 17. und 18. Jahrhunderts. Gefragt werden muß auch nach der kulturellen Zuordnung der Grimmschen Märchen in Hessen und Deutschland. „In diesen Volks-Märchen liegt lauter urdeutscher Mythus, den man für verloren gehalten“, – heißt es 1815 in der Vorrede zum zweiten Band der „Kinder- und Hausmärchen“. An gleicher Stelle wird von den „ächt hessischen“ Märchen der Dorothea Viehmann oder von dem „rein deutschen“ Ursprung der Märchen gesprochen. Aber auch den Brüdern Grimm war die enge Verwandtschaft einiger ihrer Märchen mit der romanischen Überlieferung in Italien und Frankreich bewußt. Im Gegensatz zu vielen anderen Werken sind ihre Märchen im Titel nicht mit dem Attribut „deutsch“ belegt. Zwei in der Erstausgabe enthaltene Märchen, nämlich „Ritter Blaubart“ und „Der gestiefelte Kater“, haben sie später gar wieder aus der Sammlung herausgenommen, weil ihnen die Nähe zu Charles Perraults „La Barbe Bleue“ und „Le Maître Chat, ou le Chat Botté“ selbst zu offensichtlich erschien. Die besonders häufige Überschneidung vieler ihrer Märchentexte mit der romanischen Überlieferungstradition erklärt sich auch aus der Tatsache der hugenottischen Abstammung der bedeutendsten Kasseler Märchenbeiträger: Marie Hassenpflug und Dorothea Viehmann. Jedoch bei weitem nicht alle Texte der Sammlung sind italienischen oder französischen Vorbildern verpflichtet; dazu ist sie zu reichhaltig und vielschichtig. Die Märchen sind vielmehr, wie die Brüder Grimm später formulierten, „überall zu Hause“, bei allen Völkern und in allen Ländern.

Jacob und Wilhelm unterhielten fachliche und freundschaftliche Beziehungen zu vielen bedeutenden Gelehrten, Schriftstellern und Künstlern ihrer Zeit aus ganz Europa und waren auch Mitglieder zahlreicher ausländischer gelehrter Gesellschaften und Akademien. Gerade weil sie die Geschichte ihres eigenen Volkes in umfassender Weise kannten, war ihr Verhältnis zu anderen Ländern und Kulturen sehr differenziert und aufgeschlossen.

„(…) so konnte nicht fehlen, dasz von unserm eigensten und unmittelbarsten standpunct aus zugleich der blick auf die uns benachbarten (…) sprachen lebhafter geworfen wurde, welchen allmählich alle die nemliche geschichtliche bedeutung und betrachtung zu theil geworden ist oder zweifelsohne werden wird. auf solche weise haben sich, wo nicht alle, doch die meisten glieder einer groszen fast unabsehbaren sprachkette gefunden, die in ihren wurzeln und flexionen aus Asien bis her zu uns reicht (…)“ – schreibt Jacob Grimm 1851. Und Wilhelm Grimm schrieb 1843: „Wie kein einzelner Mensch, so kann auch kein Volk für sich bestehen. In der Berührung mit andern entwickeln sich die besten Kräfte, wird man seiner Eigentümlichkeit erst bewußt (...). Wer sein Licht einsam brennt, kann es nicht bei dem Nachbar wieder anzünden, wenn es der Wind ausgelöscht hat (...).

Die Titel der Grimmschen Werke lesen sich denn auch wie eine weit ausgreifende europäische Kulturgeschichte, in der beinahe jedes europäische Volk mit seiner Sprache, seiner Literatur und seiner Geschichte Berücksichtigung gefunden hat. Überdies waren die Sprach- und Literaturforschungen der Brüder Grimm häufig unmittelbares Vorbild für das Entstehen nationaler Philologien und haben vor allem die Keltistik, die Romanistik, die Slawistik und sogar die Baltistik und Finno-Ugristik deutlich befruchtet. „Die wissenschaften erkennen keine grenzen“, – schrieb Jacob Grimm 1853, – „im gegentheil ihr streben geht dahin, die abgesteckten unterschiede der völker zu überschreiten und das band zu festigen, das in weitem umkreis zwischen allen geschlungen werden soll (…)“.

Zur Europawoche 2021 präsentieren wir in unseren Ausstellungs- und Veranstaltungsräumen am Kasseler Brüder Grimm-Platz zum einen das europäische Wirken der Brüder Grimm, zum anderen ihre Rezeption in den Ländern der Europäischen Gemeinschaft. Für die Präsentation haben wir dafür zahlreiche biographische und zeitgeschichtliche Dokumente aufgearbeitet und die Rezeption die „Kinder- und Hausmärchen“ in vielen europäischen Sprachen und Kulturdialekten mit illustrierten Ausgaben vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart dargestellt.

Da die Pandemie anhält, wird die Ausstellung für einen längeren Zeitraum bereitgehalten; weitere Informationen, insbes. zu digitalen Formaten, werden derzeit zusammengestellt und demnächst hier präsentiert. Wir danken dem Hessischen Europa-Ministerium herzlich für die uns gewährte Unterstützung. bl + mj

Die Brüder auf Schloß Alden Biesen in Belgien

Aus Anlaß der ersten niederländischen Ausgabe der „Kinder-und Hausmärchen“ der Brüder Grimm (1820 – 2020) zeigt die Brüder Grimm-Gesellschaft vom 1. Juli bis 30. August 2020 eine große Brüder Grimm-Ausstellung im Deutschordensschloß zu Alden Biesen (Belgien).

Vor 200 Jahren (1820) erschien zu Amsterdam unter dem Titel „Sprookjes Boek voor Kinderen“ (Märchenbuch für die Kinder) die erste niederländische Ausgabe der berühmten „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm; es war zugleich die überhaupt erste ausländische Buchausgabe der Grimmschen Märchen, und sie enthielt – fünf Jahre vor der sog. „Kleinen Ausgabe“ in Deutschland mit den sieben bekannten Bildern von Ludwig Emil Grimm (1825) – bereits vier ganzseitige Illustrationen eines unbekannten Künstlers.

Aus diesem Anlaß präsentiert die in Brüder Grimm-Gesellschaft diese große Ausstellung in niederländischer und deutscher Sprache, die zum einen das Leben und Wirken der Kasseler Märchensammler und Sprachforscher Jacob und Wilhelm Grimm, zum anderen die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte ihrer Märchensammlung mit mehr als 250 Exponaten darstellt.

Die im 13. Jahrhundert gegründete Deutschordensballei Alden Biesen – in der belgischen Provinz Limburg gelegen – bildet mit dem aus dem Renaissance stammenden mächtigen Schloß den geeigneten Rahmen für die Märchenwelt der Brüder Grimm. Das Deutschordensschloß Alden Biesen im Ortsteil Rijkhoven der heutigen Stadt Bilzen ist eines der größten Schlösser zwischen Loire und Rhein.

Die „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm sind weltbekannt. Bis heute lassen sich Übersetzungen in mehr als 180 Sprachen und Kulturdialekte aller Erdteile nachweisen. Die Gesamtauflage aller Einzel-, Teil- und Gesamtausgaben dürfte inzwischen die Milliardengrenze weit überschritten haben. Die Grimmsche Märchensammlung ist damit neben der Luther-Bibel das meistverbreitete und meistübersetzte Buch der deutschen Kulturgeschichte. Auf Antrag der Brüder Grimm-Gesellschaft wurde die Grimmsche Sammlung 2005 in das „Weltdokumentenerbe“ der Unesco aufgenommen. Im Antrag schrieb dazu der Geschäftsführer und Museumsleiter der Brüder Grimm-Gesellschaft: „Die Kinder- und Hausmärchen gleichen einem Hohlspiegel, der eine durch mehrere Kulturen geprägte Märchentradition einfängt, in neuer Form zusammenfasst, bündelt und so zurückstrahlt, daß eine neue Tradition daraus erwächst und, gebunden an das Werk, weltweite Wirkung entfaltet. Die internationale Verbreitung der Grimmschen Märchen ist ein Ausweis ihres exemplarischen Charakters, der – in der deutschen Romantik verwurzelt – die Poesie der menschlichen Vorstellungswelt in universell gültiger Form ergriffen und niedergelegt hat“ (Bernhard Lauer, 2004).

Seit mehr als einhundert Jahren sammelt die Brüder Grimm-Gesellschaft in Kassel aus der ganzen Welt Zeugnisse zu Leben, Werk und Wirkung von Jacob und Wilhelm Grimm. Die Ausstellung im Deutschordensschloß zu Alden Biesen zeigt daraus in ihrem ersten Teil das in einer beispiellosen brüderlichen Lebens- und Arbeitsgemeinschaft vollbrachte Wirken der Kasseler Sprachforscher und Märchensammler. Präsentiert werden historische Dokumente und bildliche Zeugnisse, teils geschaffen von dem jüngeren Bruder Ludwig Emil Grimm, der sich als Zeichner und Maler einen Namen gemacht hat. Im zweiten Teil der Ausstellung wird mit zahlreichen wertvollen illustrierten Ausgaben, Zeichnungen und graphischen Blättern, Bilderbogen, Schulwandbildern und anderen Objekten ein repräsentativer Querschnitt durch die wunderbare Märchenwelt der Brüder Grimm vorgestellt.

Zehn der bekanntesten Märchen der Grimmschen Sammlung (Dornröschen, Rotkäppchen, Hänsel und Gretel, Der Froschkönig, Aschenputtel, Sneewittchern, Rumpelstilzchen, Das tapfere Scheiderlein, Rapunzel und Der Gestiefelte Kater) werden im Schloß zu Alden Biesen in ihrer spezifischen Überlieferungs- und Wirkungsgeschichte in kleinen Kabinetten dargestellt. Die Ausstellung richtet sich sowohl an Kinder als auch an Erwachsene und ist die erste große Märchenausstellung, die seitens der Brüder Grimm-Gesellschaft in Belgien – nach der großen Jubiläumsausstellung 1989 in Brüssel – veranstaltet wird. In diesen schwierigen Corona-Zeiten wurde für den Rundgang durch die Ausstellung im Schloß zu Alden Biesen ein spezielles Hygiene-Konzept entwickelt und auch umgesetzt.

Die Ausstellung widmet sich auch den Beziehungen der Brüder Grimm zu Flandern und den Niederlanden. Die niederländische Sprache und Literatur spielte nämlich für die Arbeiten der Brüder Grimm von Anfang an eine große Rolle und führte zu zahlreichen brieflichen und persönlichen Verbindungen zu so herausragenden Schriftstellern und Gelehrten wie beispielsweise Hendrik Willem Tydeman (1778–1863), Jacobus Scheltema (1767–1835), Willem Bilderdijk (1756–1831), Joast Hiddes Halbertsma (1789–1869), Jan Frans Willems (1793–1846), Willem Jozeph Andries Jonckbloet (1817–1885) und Matthias de Vries (1820–1892). Umgekehrt kam eben schon sehr früh eine erste niederländische Teilübersetzung der „Kinder- und Hausmärchen“ 1820 unter dem Titel „Sprookjes-Boek voor Kinderen“ in Amsterdam herauskam. Seither ist die Grimmsche Märchensammlung in vielfältiger Weise in den Niederlanden und in Belgien verbreitet und hat hier insbesondere auch das Interesse zahlreicher Künstler gefunden. 1834 gab Jacob Grimm überdies sein mehr als 700 Seiten umfassendes Buch über „Reinhart Fuchs“ (Berlin 1834) heraus, in dem er u.a. auch die niederländische Version „Van den Vos Reinaerde“ abdruckte. Im September 1834 reiste er dann selbst, „nach thierfabeln begierig“, nach Brüssel und entdeckte dort unter Handschriften der Burgundischen Bibliothek“ die mittellateinische Tierfabel „Ecbasis captivi“„ (d.i.: „Flucht eines Gefangenen“). Diese gab er zusammen mit Andreas Schmeller in dem Sammelband „Lateinische Gedichte des X. und XI. Jahrhunderts“ (Göttingen 1838) heraus.

Ausstellung: Brüder Grimm-Gesellschaft
Konzept: Dr. Bernhard Lauer
Organisation Kassel: Martin John und Maia Schillmann
Organisation in Berlin: Patricia Vincent und Patrick Cornelissen

Grimm-Ausstellung jetzt in Belgorod

Belgorod_2020

Am 3. März 2020 konnte die russische Wanderausstellung der Brüder Grimm-Gesellschaft ein weiteres Mal in Rußland gezeigt werden. Nach zahlreichen Stationen in den vergangenen Jahren in Jaroslawl, Ufa, Irkutsk, Orenburg, Woronesch, Jasnaja Poljana (Landgut von Leo Tolstoi), Klin (Landgut von Peter Tschaikowski), Samara, Nachodka wurden die Brüder Jacob, Wilhelm und Ludwig Emil Grimm in der im Südwesten der Russischen Föderation gelegenen Stadt Belgorod im dortigen Literaturmuseum mit zahlreichen Leihgaben aus Kassel präsentiert.

Zur Eröffnung sprachen Museumsleiterin Inna Klimova und Geschäftsführer Bernhard Lauer; zwei Fernsehstationen und mehrere Journalisten berichteten davon. Begleitend zur Ausstellung fanden im Museum und in der erweiterten Oblast-Bibliothek verschiedene Vorträge statt, während Kontakte auch zu weiteren Kulturinstitutionen (Philharmonie, Volkskundemuseum, Kunstmuseum, Gedenkstätten des Zweiten Weltkriegs, Schtschepkin-Haus u.a.) geknüpft wurden.

In erfreulicher Weise konnten auch die Kasseler Sammlungen um zahlreiche neue russische Ausgaben der "Kinder- und Hausmärchen" bereichert werden. Mit ihrer Ausstellungstätigkeit in Rußland möchte die Brüder Grimm-Gesellschaft aber nicht nur die Kasseler Märchensammler und Sprachforscher dem Publikum neu erschließen, sondern gleichzeitig – im Blick auf die furchtbaren Verbrechen und Kämpfe der Jahre 1939 bis 1945, die vor allem die Region um Belgorod und Kursk heimgesucht haben – versuchen, über die Märchen, Sagen und Sprachforschungen der Brüder Grimm sowie auch deren Beschäftigung mit der russischen Volksdichtung und Sprache neue Brücken zum gegenseitigen Verständnis und zur Versöhnung zwischen Rußland und Deutschland zu bauen.

Ab September 2020 wird die Ausstellung dann im Staatlichen Literaturmuseum in Minsk zu sehen sein. Dafür werden alle Texte auch in die weißrusssiche Sprache übersetzt, denn anschließend soll die Schau noch an weiteren Orten des Landes bis Sommer 2021 gezeigt werden. Möglicherweise kann sie dann im Herbst 2021 auch noch nach Königsberg/Kaliningrad übernommen werden; diesbzgl. Vorgespräche wurden schon geführt. bl

Presse:
https://mirbelogorya.ru/region-news/37-belgorod/35368-v-belgorode-otryla...

http://www.sobaka.ru/belgorod/entertainment/books/104158

https://afishka31.ru/actions/vernisaz/num29773/

https://www.culture.ru/events/620131/vystavka-bratya-grimm-zhizn-i-tvorc...

https://www.peremenka31.ru/3981.html

Ausstellung: Grimms Märchen im Jugendstil

Die Brüder Grimm-Gesellschaft bereitet in Zusammenarbeit mit der Museumslandschaft Hessen-Kassel eine Ausstellung zur Rezeption der Grimmschen Märchen in der Zeit des Jugendstiles vor.

Im Mittelpunkt dieser Ausstellung steht die Illustrationsgeschichte der Kinder- und Hausmärchen am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ein großes Hauptwerk der deutschen Märchenillustration des Jugendstils, der etwa zehn Meter lange Märchenfries der aus Breslau stammenden und später in München, Berlin und Königsberg i.Pr. wirkenden Künstlerin Gertrud Kohrt (verh. Pfeiffer-Kohrt; 1875–1939) konnte die Brüder Grimm-Gesellschaft kürzlich erwerben und mit Mitteln der Kasseler Fieseler-Stiftung restaurieren (siehe dazu auch die beiden Aufsätze im "Brüder Grimm-Journal" (Heft 9 und 10). Der Fries wird erstmals im Landesmuseum ausgestellt werden.

Die allererste Illustration eines Grimmschen Märchens schuf 1818 Ludwig Emil Grimm (1790–1863), der „Malerbruder“ der berühmten Kasseler Märchensammler und Sprachforscher, und zwar als Frontispiz für den ersten Band der zweiten Auflage ihrer Sammlung (1819) zu dem Märchen „Brüderchen und Schwesterchen“. Mit der nachfolgenden niederländischen Teilausgabe von 1820, die vier Bilder eines anonymen Künstlers enthielt, vor allem aber mit der englischen Ausgabe von 1823 mit zahlreichen Radierungen von George Cruikshank (1792–1878) erhielt das Märchenbild großen Auftrieb. Dies zeigen in der Folge die mit sieben Bildern wiederum von L.E. Grimm – später von Ludwig Pietsch (1824–1911) und Paul Meyerheim (1842–1915) – gestaltete „Kleine Ausgabe“, die bis zum Ersten Weltkrieg mehr als fünfzig Auflagen erreichte und die beiden großformatigen Radierungen in Arabeskenform von Eugen Napoleon Neureuther (1806–1882). In der Reihe der Münchner und Stuttgarter Bilderbogen sowie auf verschiedenen Ausschneidebogen für das Kindertheater kamen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Dutzende von Märchendarstellungen heraus.

Gleichzeitig wurden prächtige Ausgaben mit farbigen Lithographien gestaltet, die im Jugendstil ihren Höhepunkt erreichten. Bedeutende Impulse für die Märchenillustration kamen dabei wiederum aus England, vor allem durch Walter Crane (1845–1915) und Arthur Rackham (1867–1939). In der Jahrhundertwende schufen die Wiener Künstler Heinrich Lefler (1863–1919) und Joseph Urban (1872–1933) herausragende Kompositonen, in Hessen gestaltete Otto Ubbelohde (1867–1922) mehr als 450 Federzeichnungen, die in drei Bänden in der in Leipzig von 1907 bis 1909 im Turm-Verlag verlegten Ausgabe publiziert wurden. Im Scholz-Verlag zu Mainz sowie im Molling-Verlag zu Hannover kamen herausragende querformatige Märchenbücher heraus, für die beispielsweise Julius Diez (1870–1957) oder Hanns Anker (1873–1950) besonders eindrucksvolle Bilder schufen. Die Ausstellung wird aus den reichen Kasseler Sammlungen sowie auch aus Privatbesitz die wichtigsten Künstler des Jugendstils vorstellen.

Die Ausstellung wird vom 28. November 2019 bis 31. Januar 2020 im Wappensaal des Landesmuseums am Brüder Grimm-Platz 1 zu sehen sein. bl

Ausstellung: 200 Jahre Bremer Stadtmusikanten

200 Jahre Bremer Stadtmusikanten
Ausstellung im Kreishaus Kassel · 2.5. bis 31.5.2019
Wilhelmshöher Alle 19-21 · 34117 Kassel
Eintritt frei · Montag bis Freitag 8 bis 18 Uhr

Das Märchen von den „Bremer Stadtmusikanten“ kennen wir seit der zweiten Ausgabe der „Kinder- und Hausmärchen“, die im Sommer 2019 von Jacob und Wilhelm Grimm in ihrer Wohnung in der nördlichen Torwache am Wilhelmshöher Platz (heute: Brüder Grimm-Platz) für den Druck bei Georg Reimer in Berlin vorbereitet wurde. Die Brüder Grimm haben dem Märchen zwar seinen Namen gegeben, es hat aber – wie fast alle Geschichten ihrer Sammlung – eigentlich nichts mit dem beigegebenen Ort zu tun. Es ist weder in Bremen entstanden, noch lassen sich konkrete geographische Kennzeichen dieser Stadt oder ihrer Umgebung im Text finden. Und die Stadtmusikanten sind dort ja auch gar nicht angekommen. Vielmehr ist die örtliche Zuordnung des Märchens eher zufällig und durch seine besondere Überlieferungsgeschichte bedingt.

Der Stoff der wie Menschen handelnden Tiere, die durch Klugheit und Kooperation ihr Ziel erreichen, ist uralt und schon in antiken Fabelwerken belegt, etwa im sog. „Froschmäusekrieg“ (altgriech: Βατραχομυομαχία), einem unter dem Namen Homers überlieferten Sammelwerk aus späthellenischer Zeit, das in Form einer Parodie auf die Epen des „Urvaters“ der antiken Literatur einen Krieg zwischen Fröschen und Mäusen schildert. Angelehnt an die Fabel von Frosch und Maus des Äsopus werden verschiedene Episoden geschildert, die im Mittelalter und in der frühen Neuzeit didaktisch aufgewertet weiteste Verbreitung erfuhren und vor allem auf die moralphilosophischen Adaptationen der Reformationszeit einwirkten.

Erzählungen von entlaufenen Tieren auf Wanderschaft, die in einem leerstehenden Haus übemachten und einen dort eindringenden Wolf verjagen, finden sich beispielsweise auch in mittelalterlichen Tierfabeln, etwa im lateinischen „Ysengrimus“ (um 1148) des Genter Magisters Nivardus oder im altfranzösischen „Roman de Renart“ aus der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts. Weiter ausgestaltet findet sich die Geschichte auch in Deutschland später in einem Meisterlied des Hans Sachs aus dem Jahr 1551 und in der didaktischen Sammlung des sog. „Froschmeuseler" (begonnen 1569; zuerst erschienen in Magdeburg 1595) des Georg Rollenhagen, und zwar unter dem Titel „Der Ochs und der Esel stürmen mit ihrer Gesellschaft ein Waldhaus“.
Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm nahmen zwar in ihrer Märchensammlung auch auf die genannten schriftlichen Quellen Bezug, schöpften ihre Textversion jedoch mehr aus mündlichen Quellen: „nach zwei Erzählungen aus dem Paderbörnischen“ und nach einer dritten „aus Zwehrn“, womit als Beiträger die Familie der Freiherren v. Haxthausen und unsere Niederzwehrener „Märchenfrau“ Dorothea Viehmann gemeint sind. Der Titel „Bremer Stadtmusikanten“ stammt vermutlich von August v. Haxthausen und ist ja auch inhaltlich motiviert, denn Bremen war die Stadt hanseatischer Freiheiten, ein Sehnsuchtsort, von dem viele mit großer Hoffnung auf ein besseres Leben in die „Neue Welt“ auswanderten. Bis heute kann man die Geschichte sozialutopisch ausdeuten und angesichts der zur Zeit stattfindenden Armutsdislkussion sogar aktuelle Bezüge herstellen.

In unserer Ausstellung dokumentieren wir – im Erdgeschoß – zunächst die wichtigsten historischen Quellen des Märchens durch Zeugnisse der schriftlichen Überlieferung sowie durch Porträts der Märchenbeiträger. Aus der Wirkungsgeschichte der „Stadtmusikanten“ werden viele Illustrationen präsentiert: von George Cruikshank, der für die englische Ausgabe der „German Popular Stories“ (London 1823) die allererste Illustration schuf, bis zu modernen Bilderbogen, Schulwandbildern, Karikaturen, Porzellanfiguren, Brief- und Reklamemarken und vielem mehr.

Daß die „Stadtmusikanten“ ihren Weg nicht nur nach Bremen einschlugen, sondern auch in anderen Ländern und auf anderen Erdteilen eine Heimat gefunden haben, zeigen beispielsweise der unter dem Titel „De Amsterdammer Stadsmuziekanten“ in Turnhout um die Mitte des 19. Jahrhunderts erschienene große farbige Bilderbogen, aber auch zahlreiche Ausgaben aus Afrika, Amerika und Asien, die wir im oberen Geschoß präsentieren. Besonders eindrucksvoll ist dabei eine große Bilderfolge aus dem Niger, in der die dortigen Stadtmusikanten erfolgreich mit den Terroristen von Al Kaida kämpfen. Eine besonders langwirkende Rezeption erfuhr das Märchen in der Sowjetunion und in Rußland, wo bis heute mehr als hundert verschiedene Ausgaben und Künstler dokumentiert werden können. Aus Platzgründen konnten wir in der Ausstellung nur einen kleinen Teil der umfangreichen Sammlung zu den „Bremer Stadtmusikanten“ ausstellen, die wir im Brüder Grimm-Zentrum am Brüder Grimm-Platz zusammengetragen haben und die dort gerne weiter studiert werden kann. Eine eindrucksvolle Gestaltung des Themas findet sich aber auch bei uns in der Hauptstadt der Brüder Grimm, und daher finden Sie am Ende der Ausstellung im Kreishaus sechs Aquarelle zu den Bremer Stadtmusikanten, die der Kasseler Illustrator Markus Lefrancois geschaffen hat. BL

Die Brüder Grimm in Nordhausen

Grimms Märchen im Kunsthaus Nordhausen

Im Kunsthaus zu Nordhausen am Rande des Harzes präsentiert die Brüder Grimm-Gesellschaft vom 19. Januar bis zum 7. April 2019 eine neue große Ausstellung zu Leben, Werk und Wirkung der Brüder Grimm. Der Ort bietet eine wahrhaft märchenhafte Atmosphäre, denn das Kunsthaus Nordhausen ist in einer Gründerzeitvilla mit großzügiger Raumaufteilung nebst einem hohen märchenhaften Turm untergebracht. Im Erdgeschoß wird zunächst im ausladenden Foyer sowie zwei angrenzenden Sälen das Leben der Brüder Grimm von Hanau über Kassel bis nach Berlin präsentiert. Hier wird auch kurz auf die sprach- und literarhistorischen Aspekte der Arbeit der Brüder Grimm sowie auf ihr politisches Wirken eingegangen. In zwei weiteren Räumen stehen dann die Vorgeschichte der "Kinder- und Hausmärchen" zwischen Orient und Okzident, die seit 2005 auf Antrag der BGG als "Weltdokumentenerbe" der Unesco anerkannten Kasseler Handexemplare der ersten und zweiten Ausgabe von 1812 bis 1822 sowie die wichtigsten Märchenillustratoren des 19. und 20. Jahrhunderts von George Cruikshank und Ludwig Emil Grimm bis zu Otto Ubbelohde und Werner Klemke im Mittelpunkt. Im Ersten Obergeschoß sind dann spezielle Kabinette mit wertvollen illustrierten Prachtausgaben, graphischen Blättern und dreidimensionalen Installationen insbesondere den Märchen "Sneewittchen", "Dornröschen", "Rapunzel", "Froschkönig", "Gestiefelter Kater", "Rumpelstilzchen" und "Aschenputtel" gewidmet. Eine Etage höher wird schließlich die weltweite Überlieferung der Grimmschen Märchen in zahlreichen, meist reich und oft eigenartig illustrierten Übersetzungen aus aller Welt dokumentiert. Im Keller schließlich werden noch die Entwürfe zur Oper von "Aschenputtel" ausgestellt, die in den nächsten Wochen und Monaten am Theater in Nordhausen aufgeführt wird. Die Brüder Grimm-Gesellschaft und das Kunsthaus Nordhausen laden sowohl in das Kunsthaus als auch in das Theater herzlich ein, zumal über die Ausstellung und die Oper hinaus das nördliche Thüringen und der Südharz immer eine Reise wert sind! bl

Welterbe Grimm zu Gast in Korea

Eröffnungszeremonie des Jikji-Festival in Cheoangju. Der Geschäftsführer der Brüder Grimm-Gesellschaft, Dr. Bernhard Lauer, ist unten der 6. von links.

Kassel, die Brüder Grimm und ihre Märchen-sammlung wurden in einer großen Welterbe-Ausstellung in der südkoreanischen Stadt Cheongju auf dem internationalen Jikji-Festival mit viel Applaus gefeiert. Sehen Sie hier ein Video vom Festival von YTN Korea:

Auf Einladung der südkoreanischen Stadt Cheongju präsentierte die Brüder Grimm-Gesellschaft aus Kassel auf dem diesjährigen Jikji-Festival (1. bis 21. Oktober) vor über vierhunderttausend Besuchern eine Ausstellung zum Welterbe der Brüder Grimm. Wie das sogenannte Jikji-Buch (siehe Kasten), zu dessen Würdigung das Festival abgehalten wird, sind auch die „Kinder und Hausmärchen“ der Brüder Grimm "Weltdokumentenerbe" der UNESCO.

Einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden Ansichten und Dokumente aus der Kasseler Zeit der Brüder Grimm sowie Zeichnungen und Druckgrafiken ihres Malerbruders Ludwig Emil Grimm. Ein besonderer Teil der Ausstellung war natürlich der weltweiten Überlieferungs- und Wirkungsgeschichte der Grimmschen Märchensammlung gewidmet, in dem neben den wertvollen Buchausgaben vom 16. bis 20. Jahrhundert vor allem herausragende Märchenillustrationen deutscher Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts präsentiert wurden. Unter den Ausstellungsstücken befinden sich die Abgüsse der vom Neffen der Brüder Grimm, Carl Hassenpflug, geschaffenen Büsten der beiden Sprachwissenschaftler und Märchensammler. Die gesamte Schau wurde in koreanischer und englischer Sprache dokumentiert und beschriftet.

„Für die Kasseler Brüder Grimm-Gesellschaft war die Einladung zu einer so herausragenden Veranstaltung eine große Anerkennung und Ehre,“ sagt Dr. Bernhard Lauer, Geschäftsführer der Brüder Grimm-Gesellschaft. Er war persönlich zur Ausstellungseröffnung nach Südkorea gereist und erhielt zahlreiche positive Rückmeldungen vor Ort. Außerdem freute er sich, dass er „für die Kasseler Sammlungen gleichzeitig auch zahlreiche neue illustrierte Ausgaben der ‚Kinder- und Hausmärchen‘ sowie Dokumente zur koreanischen Märchen- und Sagentradition“ zusammentragen konnte.

Was ist das Jikji-Buch?

Das Jikji-Festival findet alle zwei Jahre in der südkoreanischen Großstadt Cheongju statt, dauert 21 Tage und hat dieses Jahr über vierhunderttausend Besucher aus dem In- und Ausland angezogen. Die Stadt Cheongju liegt 120 Kilometer südlich der Hauptstadt Seoul und besitzt etwa 800.000 Einwohner. Das Thema des Festivals ist das sogenannte Jikji-Buch, ein buddhistischer Text, der als das weltweit älteste mit metallenen Lettern gedruckte Buch gilt. Gedruckt wurde er im Jahre 1377 in Cheongju, also über 80 Jahre bevor Gutenberg in Deutschland die erste Bibel druckte. Seit 2001 ist das Jikji-Buch Teil des Weltdokumentenerbes der UNESCO und wird mit dem alljährlichen Jikji-Festival mit Präsentationen zur Buchdruckkunst und Literaturgeschichte geehrt. Die Kinder und Hausmärchen der Brüder Grimm sind auf Antrag der Brüder Grimm Gesellschaft seit 2005 ebenfalls Weltdokumentenerbe der UNESCO. Mehr Informationen
auf Wikipedia.

Die Brüder Grimm in Riga

Im Rahmen der Tagung der Literatur- und Komponistenmuseen der Welt (ICLCM; im Weltverband der Museen = ICOM) hat die Brüder Grimm-Gesellschaft eine kleine Ausstellung zu Leben und Werk der Brüder Grimm im Ojars Vacietis-Museum in der lettischen Hauptstadt Riga veranstaltet. Ojārs Vācietis (* 13. November 1933 in Trapene bei Valka, Lettland; † 28. November 1983 in Riga) gehört zur modernen Generation der Literatur und zu den populärsten Dichtern Lettlands. Eine Auswahl seiner Werke ist auch in deutscher Sprache verfügbar ("Stilleben mit Schlange, Baum und Kind. Gedichte". Berlin [Ost] 1979).
Die Ausstellung präsentiert zum einen zahlreiche Zeugnisse zum Leben der Grimm-Brüder, zum anderen würdigt sie mit Handschriften, illustierten Büchern und graphischen Blättern die Bedeutung der "Kinder- und Hausmärchen", die in Lettland schon vor dem Ersten Weltkrieg in die sich entwickelnde Nationalsprache des Baltenlandes übersetzt wurden. Bei der Eröffnung wurde auch ein Bogen gespannt zu dem großen Wegbereiter der Romantik, Johann Gottfried Herder, der von 1764 bis 1769 an der Domschule zu Riga wirkte und hier u.a. seine berühmte Aufsatzsammlung "Fragmente über die neuere deutsche Literatur" (Riga: Hartknoch, 1766-67) sowie darauf in drei Bänden seine "Kritische(n) Wälder. Oder Betrachtungen, die Wissenschaft und Kunst des Schönen betreffend" (Riga: bei Hartknoch, 1769) veröffenrlichte.
Die Ausstellung wird bis zum 2. September 2018 weiter in Riga gezeigt und wird dann durch verschiedene Städte und Museen in Lettland wandern.
Siehe auch die Berichte in den lettischen Medien:

TV:
https://ltv.lsm.lv/lv/raksts/08.08.2018-reiz-dzivoja-brali-grimmi.id136759/

Gazeta:
https://rus.lsm.lv/statja/kultura/kultura/vistavka-o-bratjah-grimm-eti-s...

Das Märchen mit der Nummer 1

Im Kreishaus in der Wilhelmshöher Allee ist seit dem 26.07. eine große Ausstellung zum Märchen “Der Froschkönig oder der Eiserne Heinrich” zu sehen. In der Ausstellung werden zahlreiche Dokumente und künstlerische Zeugnisse präsentiert. "Die von der Brüder-Grimm-Gesellschaft konzipierte Ausstellung beschäftigt sich mit der Überlieferungs- und Wirkungsgeschichte des Märchens", informiert Vizelandrat Andreas Siebert. "Jacob und Wilhelm Grimm haben den Froschkönig immer prominent an den Beginn ihrer berühmten Kinder- und Hausmärchen gestellt", fügt Dr. Bernhard Lauer, Geschäftsführer der Brüder-Grimm-Gesellschaft hinzu. Dies zeige die Bedeutung, den die beiden Märchensammler diesem Stoff zugemessen haben. Die Ausstellung ist bis zum 16. August 2018 zu Gast im Kreishaus.

Die Brüder Grimm-Gesellschaft und der Landkreis Kassel realisieren in loser Folge regelmäßig Ausstellungen zu den von den Brüdern Grimm gesammelten Märchen. “Landrat Uwe Schmidt ist Vorsitzender der Deutschen Märchenstraße, durch den Landkreis Kassel führt der Märchenlandweg und wir stellen immer wieder fest, dass die Besucher des Kreishauses die Märchenausstellungen gut annehmen", bestätigt Vizelandrat Siebert.

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